ANMERKUNG
(a) Die Heiligkeit Gottes ist Richtung, Sehnsucht und Endziel unseres Lebens. Gott ist heilig als Erlöser, heilig als Richter. Wie die sittliche Entartung (WB 24,2+A2b-c; 24,5+A1), so stellt auch jede okkulte Tätigkeit (WB 13,1-A1; 21,4+A1) eine Antastung der Heiligkeit Gottes dar.

(b) Aus diesem Grund halten wir uns an die Regel, all jene Bereiche zu meiden, wo der Nachweis vorliegt oder der dringende Verdacht besteht, daß okkult-dämonische Einflüsse vorliegen. Das ist auch dann der Fall, wenn eine menschliche Kraftquelle" als wertneutrale oder sogar göttliche" Fähigkeit behauptet wird und die im System verborgenen oder geschichtlich bedingten okkulten Hintergründe verharmlost werden.

(c) Im Urteil über okkulte Praktiken bzw. (paramedizinische) Heilwirkungen geht es nicht im letzten darum, ob diese naturwissenschaftlich erklärbar sind oder nicht; vielmehr ist die Frage nach der Medialität zu stellen. Diese ist das zentrale Kennzeichen für okkulte Betätigung. Ist Medialität als Grenzüberschreitung der menschlichen Sinnesorgane im Spiel, so erfolgt eine außersinnliche Wahrnehmung, die nicht mehr als schöpfungsbedingte Fähigkeit des Menschen ausgewiesen werden kann, sondern von außen her (von den Mächten der Finsternis) in den Menschen hineingetragen wird. In diesem okkulten Rahmen fühlt" man sich in Krankheitsbilder, in unterirdische Wasseradern, in menschliches Geschick - ja selbst mystisch in das, was man "Gott" nennt (WB 9,3-A1; 21,3-A1d) - hinein, "spürt" intuitiv Gegenwärtiges und Zukünftiges heraus, wobei die spiritualistische Form der Medialität den gefährlichsten Grad darstellt.

(d) Der Christ weist keine medialen Eigenschaften auf. Was er im Glauben erkennt (bis hin zu den Visionen und Träumen der Apostel und Propheten), erfolgt nicht auf Grund erworbener Fähigkeiten, sondern wird von Gott selbst offenbart. Gott wirkt nicht medial "durch uns hindurch", sondern auf Grund des von ihm gewirkten Vertrauens (Glaubens) außerhalb von uns in Form einer überprüfbaren, objektivierbaren Begegnung. Deshalb widerspricht es dem Wesen der göttlichen Offenbarung, geistliche Kraftwirkungen und Fähigkeiten auf mediale Weise (z.B. als "Weihe") weiterzuvermitteln; hier berührt sich übrigens die röm.-kath. Theologie mit sogenannten "charismatischen" Überzeugungen (WB 21,3-A1). Heilungen oder geistliche Befähigungen im Namen Christi erfolgen demnach nicht durch göttliche Kräfte, die "im" Menschen sind, oder medial "durch ihn" hindurchfließen und auf diese Weise "in" den Menschen hineinkommen. Hier wird auch die okkulte Dimension der "naturwissenschaftlich" oder religiös motivierten Paramedizin erkennbar, derzufolge "im Menschen schlummernde Heilkräfte" durch verschiedene Methoden auf den Patienten übertragen werden sollen. Die Schrift kennt im Gegensatz dazu nur die Heilung durch Arzneien oder aber durch direktes Eingreifen Gottes - ohne die Zwischenstellung des Menschen als Medium. Sollte Gott direkte Heilung schaffen, so ausschließlich im Namen Christi durch den symbolischen Akt des Handauflegens, des Salbens oder des bloßen Gebets, wobei die Erwartungshaltung zum Ausdruck bringt, daß der erhöhte Herr selbst durch den Heiligen Geist von der Krankheit befreit. Gott der HERR ist der Handelnde, deshalb führt gottgewirkter Glaube unseren Blick nicht auf mediale, "verborgene Kräfte" in uns, sondern - sehr nüchtern und ausschließlich - auf die im Wort Gottes verankerten Verheißungen.