Artikel 9: Okkultismus
9.1 Die Heiligkeit Gottes ist das Ziel
Die Heiligkeit Gottes ist
Richtung, Sehnsucht und Endziel unseres Lebens. Gott ist heilig als Erlöser, heilig als Richter. Wie die sittliche
Entartung (WB 24,2+A2b-c; 24,5+A1), so stellt auch jede okkulte Tätigkeit (WB 13,1-A1; 21,4+A1) eine Antastung
der Heiligkeit Gottes dar.
9.2 Meiden der Grauzonen
Aus diesem Grund halten wir
uns an die Regel, all jene Bereiche zu meiden, wo der Nachweis vorliegt oder der dringende Verdacht besteht, daß
okkult-dämonische Einflüsse vorliegen. Das ist auch dann der Fall, wenn eine "menschliche Kraftquelle"
als wertneutrale oder sogar "göttliche" Fähigkeit behauptet wird und die im System verborgenen
oder geschichtlich bedingten okkulten Hintergründe verharmlost werden.
9.3 Medialität als zentrales
Kennzeichen für okkulte Betätigung
Im Urteil über okkulte
Praktiken bzw. (paramedizinische) Heilwirkungen geht es nicht im letzten darum, ob diese naturwissenschaftlich
erklärbar sind oder nicht; vielmehr ist die Frage nach der Medialität zu stellen. Diese ist das zentrale
Kennzeichen für okkulte Betätigung. Ist Medialität als Grenzüberschreitung der menschlichen
Sinnesorgane im Spiel, so erfolgt eine außersinnliche Wahrnehmung, die nicht mehr als schöpfungsbedingte
Fähigkeit des Menschen ausgewiesen werden kann, sondern von außen her (von den Mächten der Finsternis)
in den Menschen hineingetragen wird. In diesem okkulten Rahmen "fühlt" man sich in Krankheitsbilder,
in unterirdische Wasseradern, in menschliches Geschick - ja selbst mystisch in das, was man "Gott" nennt
(WB 9,3+A1; 21,3+A1d) - hinein, "spürt" intuitiv Gegenwärtiges und Zukünftiges heraus,
wobei die spiritualistische Form der Medialität den gefährlichsten Grad darstellt.
9.4 Gott wirkt nicht durch
innewohnende, mediale Kräfte
Der Christ weist keine medialen
Eigenschaften auf. Was er im Glauben erkennt (bis hin zu den Visionen und Träumen der Apostel und Propheten),
erfolgt nicht auf Grund erworbener Fähigkeiten, sondern wird von Gott selbst offenbart. Gott wirkt nicht medial
"durch uns hindurch", sondern auf Grund des von ihm gewirkten Vertrauens (Glaubens) außerhalb von
uns in Form einer überprüfbaren, objektivierbaren Begegnung. Deshalb widerspricht es dem Wesen der göttlichen
Offenbarung, geistliche Kraftwirkungen und Fähigkeiten auf mediale Weise (z.B. als "Weihe") weiterzuvermitteln;
hier berührt sich übrigens die röm.-kath. Theologie mit sogenannten "charismatischen"
Überzeugungen (WB 21,3+A1). Heilungen oder geistliche Befähigungen im Namen Christi erfolgen demnach
nicht durch göttliche Kräfte, die "im" Menschen sind, oder medial "durch ihn" hindurchfließen
und auf diese Weise "in" den Menschen hineinkommen. Hier wird auch die okkulte Dimension der "naturwissenschaftlich"
oder religiös motivierten Paramedizin erkennbar, derzufolge "im Menschen schlummernde Heilkräfte"
durch verschiedene Methoden auf den Patienten übertragen werden sollen.
9.5 Gott wirkt selbst, gerufen
durch den Glauben
Die Schrift kennt im Gegensatz
dazu nur die Heilung durch Arzneien oder aber durch direktes Eingreifen Gottes - ohne die Zwischenstellung des
Menschen als Medium. Sollte Gott direkte Heilung schaffen, so ausschließlich im Namen Christi durch den symbolischen
Akt des Handauflegens , des Salbens oder des bloßen Gebets , wobei die Erwartungshaltung zum Ausdruck bringt,
daß der erhöhte Herr selbst durch den Heiligen Geist von der Krankheit befreit. Gott der HERR ist der
Handelnde, deshalb führt gottgewirkter Glaube unseren Blick nicht auf mediale, "verborgene Kräfte"
in uns, sondern - sehr nüchtern und ausschließlich - auf die im Wort Gottes verankerten Verheißungen.
(WB, mit Anmerkungen: 13.1)