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Die Kennzeichen der Kirche
Weltweit gibt es tausende von Institutionen, die man Kirchen nennt. Weil es aber sowohl für Personen als Institutionen möglich ist, untreu zu werden, ist es wichtig, die wesentlichen Kennzeichen wahrer und legitimer sichtbarer Kirche zu erkennen. Keine Kirche ist ohne Fehler. Nur im Himmel wird die Kirche unfehlbar sein. Aber zwischen Fehlbarkeit, die alle Kirchen betrifft, und Abtrünnigkeit gibt es einen wichtigen Unterschied. Deshalb, um die Sorge für und Nahrung des Volk Gottes zu beschützen, ist es wichtig die Kennzeichen der wahre Kirche zu definieren.
Schon Calvin hatte folgende Kennzeichen definiert:
a) Die Predigt von Gottes Wort.
Obwohl sich Kirchen in Einzelheiten der Theologie und in Niveaus der Reinheit der Lehre unterscheiden, wird die wahre Kirche immer alles Wesentliche des christlichen Glaubens bekennen. Auch wird sie alles verwerfen, was dem Evangelium widerspricht. Eine Kirche ist falsch oder untreu, wenn sie offiziell einen wesentlichen Teil der christlichen Lehre leugnet, wie die Gottheit Christi, die Dreinigkeit, die Rechtfertigung durch den Glauben oder die Versöhnung. Paulus sagt in Galater 1: „Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem andern Evangelium, obwohl es doch kein anderes gibt; nur dass einige da sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren. Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht.“ Falsche Kirche also bringen eine Botschaft die falsch ist und kein Evangelium genannt werden darf.
b) Die Bedienung der Sakramente
Eine Kirche wird auch dadurch zu einer falschen Kirche, indem sie die von Christus eingesetzten Sakramente leugnet. Ebenso würde die Entehrung des Abendmahls oder die Öffnung des Abendmahls für Ungläubige eine Kirche als wahre Kirche disqualifizieren. In Apostelgeschichte 19 sehen wir, für wie wichtig Paulus die saubere Bedienung der Taufe haltet. Zu einigen neuen Gläubigen in Ephesus sagt er: Habt ihr den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie sprachen zu ihm: Wir haben noch nie gehört, dass es einen heiligen Geist gibt. Und er fragte sie: Worauf seid ihr denn getauft? Sie antworteten: Auf die Taufe des Johannes. Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus. Als sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus. Und in Bezug auf das Abendmahl schreibt er in 1 Kor.11: Ich kann's nicht loben, dass ihr nicht zu eurem Nutzen, sondern zu eurem Schaden zusammenkommt. Zum ersten höre ich: Wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, sind Spaltungen unter euch; und zum Teil glaube ich's. Denn es müssen ja Spaltungen unter euch sein, damit die Rechtschaffenen unter euch offenbar werden. Wenn ihr nun zusammenkommt, so hält man da nicht das Abendmahl des Herrn. Denn ein jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken. Habt ihr denn nicht Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, die nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich euch nicht. Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte, brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wer nun unwürdig von dem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. Denn wer so isst und trinkt, dass er den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht. Es fällt auf, dass Paulus zur ursprünglichen Einsetzung des Abendmahls zurückkehrt. Das ist es, woran wir uns immer orientieren sollen.
c) Kirchliche Disziplin
Obwohl die Anwendung der Zucht fehlbar ist und einerseits in Ungerechtigkeit, andrerseits in Gleichgültigkeit entarten kann, kann die Kirche so verderben, dass sie nicht länger als legitime, wahre Kirche anerkannt werden darf. Das ist dann der Fall, wenn eine Kirche öffentlich in Sünde verharrt, sie unterstützt oder sich weigert, diese zu bestrafen. Es ist der Herr Jesus selber, der die den Auftrag zur kirchlichen Disziplin gab. In Mat.18 sagt er: Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde. Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner. Die Apostel haben diesen Auftrag treu übertragen. In 1 Kor.5 schreibt Paulus: Überhaupt geht die Rede, dass Unzucht unter euch ist, und zwar eine solche Unzucht, wie es sie nicht einmal unter den Heiden gibt: dass einer die Frau seines Vaters hat. Und ihr seid aufgeblasen und seid nicht vielmehr traurig geworden, so dass ihr den aus eurer Mitte verstoßen hättet, der diese Tat begangen hat? Ich aber, der ich nicht leiblich bei euch bin, doch mit dem Geist, habe schon, als wäre ich bei euch, beschlossen über den, der solches getan hat: wenn ihr in dem Namen unseres Herrn Jesus versammelt seid und mein Geist samt der Kraft unseres Herrn Jesus bei euch ist, soll dieser Mensch dem Satan übergeben werden zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn. Daraus wird deutlich, dass die kirchliche Disziplin keine diktatorischen Ziele verfolgt, sondern das Heil des Sünders beabsichtigt.
Christen sollen es einerseits vermeiden, Spaltungen durch Streit in
Nebensächlichkeiten herbeizuführen, andrerseits sollen sie sich aber auch von
falschen oder untreuen Kirchen trennen bzw. fernhalten.
Natürlich darf die Kenntnis und die Benutzung der Kennzeichen der Kirche nicht entarten in eine distanzierte Diagnose der bösen anderen Seite. Es kann nur richtig funktionieren im Rahmen eines ernsten persönlichen Glaubens. Deshalb erwähnt die Belgische Konfession aus 1561 in Artikel 29 neben den Kennzeichen der Kirche auch die Kennzeichen der Christen. Das Bekenntnis sagt folgendes:
Diejenigen die zur Kirche gehören, sind an den Kennzeichen der Christen zu erkennen, nämlich am Glauben und daran, dass sie nachdem sie den einzigen Heiland Christus angenommen haben, den Sünden entfliehen und der Gerechtigkeit nachjagen, den wahren Gott und den Nächsten lieben, nicht nach rechts oder links abweichen und ihren alten Mensch mit seinen Werken kreuzigen. Damit ist nicht gemeint, dass es keine große Schwäche mehr in ihren Leben gibt, sondern sie streiten durch dem Geist dagegen, jeden Tag und ihr ganzes Leben lang. Andauernd nehmen sie ihre Zuflucht zu dem Blut, dem Tod, dem Leiden und der Gehorsam Christi, in dem sie Vergebung haben.
Eine wichtige Frage ist, ob es mehrere wahre Kirchen im selben Ort geben kann. Und so ja, was soll dann passieren? Aus dem Merkmal der Katholizität ergibt sich, dass man sich mit eine solchen Situation nicht zufrieden geben darf. Die Folgen der Sünden dürfen nie ein gültiges Argument sein, um die historisch entstandenen Verhältnisse zu rechfertigen. Ungehorsam ist nicht mit Ohnmacht gleichzusetzen.
Dieser Ungehorsam kann darin bestehen, dass lokale Gemeinden mit anderen Gemeinden verbunden sind, die gar nicht oder nur teilweise den Kennzeichen wahrer Kirche entsprechen. Oder sie gehören zu einer Landeskirche, die unbiblische Gedanken und Praxis toleriert, und damit die Wahrheit und die Lüge gleichberechtigt. In dem Fall honorieren sie die Glaubenseinheit nicht und tasten ihr lokales wahre-Kirche-sein an.
Dennoch hatte Calvin recht als er sagte, dass eine Kirche, solange sie die Kennzeichen zeigt, nie verworfen werden darf, wie viele Fehler und Schwäche auch noch an ihr kleben. Nicht in allen Gemeinden ist die gleiche Treue dem Wort Gottes gegenüber, wie uns Jesus in seinen Briefen an die sieben Gemeinden in Offenbarung 2 und 3 lehrt.
Wir dürfen mit Freimütigkeit bekennen, dass wir wahre Kirche von Jesus Christus sind. Und wir dürfen, ja müssen sogar auch sagen, dass individuelle Kirchen und Gruppen von Kirchen sich zwar Kirche nennen, aber es nicht sind. Christus aber wird seine Kirche versammeln! Er kennt die Böcke in den wahren Kirchen und die Schafe in den falschen Kirchen Und er wird auch die herumstreifende Schafe zu seinem Stall führen, die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Dann wird es eine Herde werden. Christus versammelt perfekt. Das befreit uns von Übermut und Mutlosigkeit.
Fragen und Gesprächspunkte
1. Ist es überhaupt biblisch, von einer ‘Kirche im Himmel’ zu sprechen? 2. Darf es in eine Gemeinde verschiedene Einsichte geben? Wenn ja, wo liegen die Grenzen? 3. Kannst du erklären, was die Wahl der guten Kirche mit dem zweiten Gebot zu tun hat? 4. Was hältst du vom Argument derjenigen, die sagen: “Ich bleibe Mitglied unserer Kirche denn wir haben ein rechtgläubigen Pfarrer”? 5. Beurteile auch folgende Meinung: “Wir müssen bleiben, solange es noch Raum für unser Zeugnis gibt und bis wir hinaus geworfen werden.” 6. Funktioniert die kirchliche Disziplin in euerer Gemeinde? 7. Was glaubst du, ist das größte Problem in der Anwendung der kirchlichen Disziplin?
12. Oktober 2002 |