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Vorrede
1.
Der Messias kommt in sein Haus
2. Der Messias reinigt sein Haus
3. Der Messias sieht sein neues Haus
Vorrede
Jesus
zieht im April 30 in Jerusalem ein - um zu sterben. Er geht in den Tempel
und räumt ihn aus. Er macht das zum zweiten Mal.
- Im
ersten Jahr seines Auftretens hat er es schon einmal gemacht (Joh 2).
Damals geschah es im Rahmen seines Rufs zu Umkehr und Reformation.
"Der Eifer um dein Haus verzehrt mich (Joh 2,17)". Damals
war er eifrig, sein Volk Gott zuzuführen.
- Jetzt
kommt er wieder in der Vollmacht des Messias, um das kommende Gericht
anzudeuten. - Die Gottesverachtung zeigt sich nicht zuletzt am Tempel:
"Räuberhöhle", nennt er ihn. Das stammt aus Jeremia 7,11.
Dort kündigt Gott deshalb die Zerstörung des 1. Tempels an. Wenn
Jesus jetzt dieses Wort aufnimmt, steht im Hintergrund das Gericht.
- Nach
den Tempelreden gibt er seinen Jüngern Einblick, was geschehen soll
(Mt 23,38 & Mt 24). Knapp 40 Jahre später gibt es keinen Tempel
mehr. - Das führt die orthodoxen Juden bis heute in das Dilemma, dass
sie keine Vergebung ihrer Sünden haben.
- Er
wird auch vom neuen Tempel reden (Joh 2,19, Mt 26,61), den er mit Tod
und Auferstehung baut - nicht mehr aus Steinen, sondern aus Menschen.
Der
steinerne Tempel war ein Vorbild für den Leib Christi, die Gemeinde. Die
Gemeinde aber ist der wahre Tempel Gottes, wo Gott baut und wohnt (1. Kor
6,19 / Eph 2,22). Vollendet ist dieser Bau erst in der Ewigkeit.
Nebenbei:
Sehen
wir bei Gott und seinem Tempel eine leichte Ähnlichkeit zu den
Vorarlbergern, die typische "Hüslebauer"
sind und ständig am und ums Haus beschäftigt sind.
Der kleine Unterschied: Gott macht keinen Pfusch, was man von uns nicht
unbedingt behaupten kann.
1. Der Messias
kommt in sein Haus
Was er antrifft: blökende Lämmer, gurrende Tauben, schreiende Menschen.
Er befindet sich im Vorhof des Tempels. Bis hierher durften Nichtjuden zum
Gebet gehen, die zum Glauben an Gott gekommen waren. Weiter durften nur
kultisch reine Juden. Die Hohenpriester hatten in diesen Hof aber auch die
Händler mit ihren Tieren lassen. Die Händler bezahlten dafür. Profit
haben beide gemacht.
"Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völker" -
sagt Gott in Jesaja 56,7. - Ein Haus nicht nur für Juden. Ein Haus auch für
die anderen Völker. Auch für Krüppel & Verstümmelte. - Solche gab
es viele.
Die "hohe
Geistlichkeit" war nicht nur auf Profit aus, sie vermittelten diesen
Gläubigen Minderwertigkeit, indem sie mitten im Geblök & im Händlergeschrei
beten mussten.
- Das
trotz der Aussage Gottes in Jes 56,5, dass er gerade - und auch diesen
Leuten Denkmal und Namen
setzen wird.
Wer
Israel schon einmal besucht hat, hat Kontakt mit dieser Bibelstelle
bekommen: Denkmal & Namen heißt auf Hebräisch Jad waSchem und ist
die Holocaustgedenkstätte. Die Bibelstelle wurde damals missachtet - und
heute, wie so oft, nicht sinngemäß verwendet.
Fortsetzung der Missachtung von
Gottes Wort und der Benachteiligung von Gläubigen
entstand auch im Mittelalter: Es wurde die Trennung
& Wertung zwischen Laien & Priestern
eingeführt. Laien waren "vor Gott" weniger wert als der
geistliche Stand. Eine widergöttliche Trennung, die auf Machtstreben zurück
geht - nicht aber auf Gottes Wort.
"Mein Haus wird ein Bethaus
genannt werden - für alle Völker".
Das ist Gottes Wort im Alten Testament, bestätigt durch Jesus im Neuen
Testament.
- Es
gibt Versuche - den zerstörten Tempel wieder aufzubauen. Der
Israelische Staat verhindert das - und ist hier zurecht Gottes
Handlanger.
1995
habe ich vor der Knesseth, dem israelischen Parlament, den Leiter dieser
Organisation gesehen, die wieder den Tempel aufbauen wollen. So weit ich
weiß sind alle Geräte des Tempels - auch die goldenen - schon nachgebaut
und gelagert. Zum Teil kann man sie ansehen (Tempelinstitut, Misgav Ladach
Straße, jüdisches Viertel, Altstadt, Jerusalem). Jetzt muss nur noch der
islamische Felsendom weg - durch Erdbeben oder Sprengung. - Und die
Moslems passen auf.
Es gab und gibt - bei verschiedenen Christen auch die Ansicht, dass der
Tempel wieder hergestellt werden wird.
- Hesekiels
Vision vom Tempel Kp 40 ff wird dabei zitiert. - Diese Prophetie wurde
aber zum Teil verwirklicht beim Wiederaufbau des Tempels nach der Rückkehr
aus Babylon.
- Zweitens
ist sie eine symbolische Darstellung des neuen Tempel, den Jesus baut.
Stephanus bestätigt das in Apg 7,48-50 mit den Propheten, wenn er
sagt, dass Gott nicht im Tempel wohnt.
Hier wird nicht entlang des Heilsplanes und der Aussagen der Bibel
gedacht.
- Eine
Rückkehr zu den Tieropfern - würde das Opfer Jesu umgehen.
- Ein
Judenchrist wird sich nicht dafür stark machen, denn Tempel Gottes
ist die Gemeinde.
Auch
als Bethaus ist der steinerne Tempel nicht mehr nötig. In der Gemeinde
Jesu Christi wird Gott in Wahrheit und im Geist angebetet, wie Jesus sagt.
Hier geht übertriebene Israelfreundlichkeit zu lasten der Bibel.
- Gott
hat den Tempel weggenommen - er ist mit Jesus sinnlos - ja
antichristlich geworden
- Der
Felsendom würde als Bethaus für die Völker genügen - wenn das
'mein Haus' wirklich ein einzelnes Haus sein soll.
Es
ist aber die Gemeinde, die Wohnung Gottes im Geist.
2. Der Messias
reinigt sein Haus
Händler verkaufen Lämmer,
Tauben - Opfertiere, Speiseopfer.
An Hochfesten gingen die Preise
hoch. Die Frommen, die von außerhalb kamen, konnten ihre Tiere nicht
mitbringen.
- Diejenigen,
die es ernst meinten mit der Bitte um Vergebung und Sühne für ihre
Schuld, mussten schwer dafür bezahlen - nicht Gott - sondern den Händlern
und den herrschenden Priestern.
Jesus
treibt sie raus. Sie gehen widerstandslos. Es bestätigt sich seine
Autorität (Mal 3,1-2).
Sein Austreiben ist nicht gegen
den Handel gerichtet.
- Sein
Austreiben ist gegen die Entehrung Gottes gerichtet durch Ausbeutung
der Gläubigen & Verachtung gegenüber den gläubigen Ausländern.
So
ein Umgang im Gotteshaus entehrt Gott, weil das Bild das damit entsteht,
einen schlechten Ruf auf Gott und seine Kirche wirft - a la: "Die
Kirche ist nur hinter deinem Geld her."
Wir haben wieder eine furchtbare
Parallele im Wechsel Mittelalter zur Neuzeit:
Zur
Finanzierung des Petersdoms wurde für die Sündenvergebung Geld
verlangt. Dieser Handel ist auch heute noch in abgeschwächter Form gültig:
Messen zahlen für Verstorbene, damit sie weniger lang im Fegefeuer
leiden müssen.
Aus den 95 Thesen Luthers 1517:
Nr.
27: Menschenlehre predigen die, welche sagen, dass,
sobald der Groschen im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer
springt.
In Nr. 86 wird übrigens gefragt, wieso der Papst als der reichste Mann
der Welt nicht wenigstens den einen Dom mit seinem Geld baut, als mit
den Groschen der Armen.
Diese
Wittenberger Thesen haben die Reformation eingeleitet. Reformation heißt
soviel wie "Sich wieder zurück um Gottes Wort ordnen"
Nebenbei: Vier Feldkircher Gelehrte waren damals bei Luther mit dabei. Und
jetzt sind wir da.
Die Tempelreinigung Jesus auch
danach noch fortgesetzt:
Er gibt die Reinigung an die
berufenen und gewählten Ältesten weiter.
Die
Gemeinde, die Tempel des Hl. Geistes - und damit Gottes ist, bleibt rein
durch die Kirchenzucht. Die ist nötig:
- Damit
Gottes Heiligkeit und Ehre nicht in den Dreck gezogen wird
- Damit
die Gemeinde bewahrt wird und nicht versumpft
- Damit
Gemeindemitglieder "zurecht gewiesen" werden (positiv
gemeint)
3. Der Messias
sieht sein neues Haus
Als
aber die Hohenpriester und die Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er
tat, und die Kinder, die im Tempel schrieen und sagten: Hosanna dem Sohn
Davids! wurden sie unwillig 16 und sprachen zu ihm: Hörst du, was diese
sagen? Jesus aber sprach zu ihnen: Ja, habt ihr nie gelesen: "Aus
dem Mund der Unmündigen & Säuglinge hast du dir Lob
bereitet"?
Wie Gott verehrt werden will, bestimmt nicht der Mensch, sondern Gott
(Westminsterbekenntnis 21,1).
Die
Kinder rufen Hosanna dem Sohn Davids. Hossanna ist ein Adhortativ, ein
Gebetsruf an Gott und heißt: Hilf doch - verbunden mit "Sohn
Davids", dem Heilandstitel, heißt es also: Herr hilf doch dem Sohn
Davids.
Hier sieht Jesus anscheinend von Gott gewirkten Glauben - in den
Kindern. Bei Unmündigen und Säuglingen.
Hier scheint anscheinend bei den kleinen Schreiern Gottes Erwählung
durch.
Nicht das liturgisch herz- und gedankenlose Gotteslob der Professionisten
im Tempel ist gottgewollt, sondern hier nimmt er die kleinen Kräher, als
seine neue Kreatur mit hinein in das, was seine Schöpfung seit jeher tut
- wie es in Ps 19 heißt:
Die
Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Himmelsgewölbe verkündet
seiner Hände Werk. 3 Ein Tag sprudelt dem anderen Kunde zu, und eine
Nacht meldet der anderen Kenntnis - 4 ohne Rede und ohne Worte, mit unhörbarer
Stimme. 5 Ihr Schall geht aus über die ganze Erde und bis an das Ende
der Welt ihre Sprache. Dort hat er der Sonne ein Zelt gesetzt. 6 Sie,
wie ein Bräutigam aus seinem Gemach tritt sie hervor; sie freut sich
wie ein Held, die Bahn zu durchlaufen.
An diesen kleinen Kindern wird sichtbar, was für unseren Verstand
schwierig ist: Gott sucht sich sein Volk heraus, das ihn lobt. Hier wird
sichtbar, dass Glaube Werk Gottes ist (Joh 6,29). Dafür gibt er auch ein
neues Herz und schafft so sein neues Israel, sein Lob.
Das Werk Gottes an den Kleinen ist hier nur zu sehen, wenn man auch die
anderen Stellen dazunimmt, wie Gott wirkt.
Er macht´s wie immer, erwählt und schafft sich sein Volk, seinen Tempel
(Sach 4,6, Joh 6,29). Das macht nicht der Mensch, wie auch Kirche und
Gemeinde nicht zum Selbstzweck da ist, sondern zur Ehre Gottes.
- Sie
ist nicht in erster Linie da, damit sich die Glieder wohl fühlen,
sondern damit Gott sich in seinem Haus wohl fühlt. Bei Sätzen wie:
Wir hatten einen wunderbaren Lobpreis, tendiert sie zum Wohlfühlverein,
wo mit dem Lob das eigene "feeling" gestreichelt wurde.
- Erst
in zweiter Linie ist sie auch ein Biotop - ein Ort des Lebens - für
die Gemeindeglieder.
Dass
sie es bleibt, dafür sorgen Wort, Sakrament, Kirchenzucht und die
besondere Fürsorge Gottes für seine Kinder und sein Haus. Alles was wir
brauchen und gut für uns ist, gibt er uns zu seiner Zeit.
Bis es soweit ist, sollen wir ihn ehren durch unser Bitten und Vertrauen.
Jesus kehrt zurück nach Bethanien. Ölberg rauf und dann nach Süden.
Nicht von ungefähr ist es Bethanien, hebr.: "Haus der Elenden",
denn er selbst ist kurz vor dem Kreuz und am Kreuz ist er, wie Jesaja
prophezeit, der für uns leidende & für uns elende Gottesknecht.
Amen.
5. März 2000 |