"Komm", sagt Jesus, "mach mit im Glauben!"

Predigttext: Lukas 7,29-35

29 Und alles Volk, das ihn hörte, und die Zöllner gaben Gott recht und ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes. 30 Aber die Pharisäer und Schriftgelehrten verachteten, was Gott ihnen zugedacht hatte, und ließen sich nicht von ihm taufen. 31 Mit wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen, und wem sind sie gleich? 32 Sie sind den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen einander zu: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint. 33 Denn Johannes der Täufer ist gekommen und aß kein Brot und trank keinen Wein; so sagt ihr: Er ist besessen. 34 Der Menschensohn ist gekommen, ißt und trinkt; so sagt ihr: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! 35 Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.

Gemeinde unseres Herr Jesus Christus, liebe Brüder und Schwestern, Jungen und Mädchen.

Zusammen spielen, das tut man in der Pause auf dem Schulhof oder am Samstag mit Freunden. Was für Spiele spielt ihr dann?

Zum Beispiel Notarzt. So tun, als ob Leute unter eine Lawine gekommen wären und dann in letzter Sekunde gerettet und mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.

Oder Cowboy und Indianer, Räuber und Gendarm, oder was auch immer.

In Israel spielten die Kinder auf dem Marktplatz, mitten im Dorf. Da war eine Menge Platz zum spielen. Und am liebsten haben die Kinder nachgespielt was die Erwachsenen tun: zum Beispiel „Hochzeit spielen“: einer von den Jungs wählt sich ein Mädchen als seine Braut aus und der Rest der Kinder spielt auf der Flöte, singt und tanzt für das Hochzeitspaar.

Oder sie spielten ‚Begräbnis’. Dann machten sie traurige Musik und der Rest musste heulen und jammern.

Und wenn man beim Spielen ist, dann gibt’s auch schnell einmal Streit. Wie kommt das, dass auf einmal Krach entsteht? Meistens kommt es dadurch, dass es beim Spielen immer ein paar gibt, die lieber was anderes spielen wollen. Draußen Seilspringen? Nein, keine Lust! Ich will lieber Sackhüpfen! Nun ja, spielen tut man gemeinsam. Dann muss man manchmal auch etwas spielen, was einem nicht so gefällt. Wenn man nur sagt: „Das Spiel gefällt mir nicht, wenn ihr das spielen wollt, mach ich nicht mit!“, dann kann man’s gleich vergessen. Dann ist man ein Spielverderber, vor allem, wenn das Spiel nur gemeinsam gespielt werden kann. Wenn beinahe die Hälfte nicht mitmacht, dann geht gar nichts mehr. Man muss gemeinsam spielen und nicht sauer werden, wenn man seinen Willen nicht durchsetzen kann.

Immer nur dagegen sein ist nicht gut, sagt Jesus. Dann ist man wie jene Kinder, die auf dem Marktplatz mitten im Dorf sitzen und sich weigern mitzumachen. Man muss gemeinsam spielen und darf sich nicht in einer kategorischen Anti-Haltung absondern.

Mit dieser Geschichte will Jesus etwas deutlich machen. Er redet über die Art und Weise wie Kinder spielen, meint aber die Erwachsenen. Denn auch mit dem Glauben müsste es eigentlich so gehen, dass jeder mitmacht. Glauben ist für jeden äußerst wichtig, darum bleib nicht (als Spielverderber) abseits sitzen, sondern mach mit!

Thema: “Komm”, sagt Jesus, “mach mit im Glauben!“

Sei dir nicht zu gut oder fein dafür. Schließ dich der Weisheit Gottes an.

1) Sei dir nicht zu gut oder fein dafür

Liebe Geschwister, wie ist es doch möglich, dass so wenig Menschen für den Glauben zu interessieren sind. Man sieht es so oft: alles andere ist ihnen wichtiger und nimmt einen enormen Platz ein in ihrem Leben. Aber für Gott, die Bibel und die Kirche, dafür hat man keine Zeit, weil es für sie nicht relevant ist. Und Jesus bleibt darum für viele einfach eine vage Erscheinung. Es ist nur verständlich, dass sie sich kaum für Jesus interessieren.

Eigentlich brauchen wir uns hierüber nicht zu wundern. Denn schon seit dem Sündenfall von Adam und Eva im Paradies wissen wir: wenn’s um Gott und den Glauben geht, sind die Leute nicht in Bewegung zu bringen. Denn man muss sich zuerst klein machen, um dann vor Gott groß werden zu können. Man muss erst durch die Bußpredigt von Johannes dem Täufer innerlich kapitulieren und zugeben, dass man ein Sünder ist, dass man sich bekehren muss, bevor man mit einem Seufzer voller Erleichterung und mit einem frohen Herzen Jesus als seinen Retter akzeptiert.

Und hierfür fühlen wir uns zu gut. Oder nicht? Sei mal ehrlich: ist es für Sie (dich) einfach, zuzugeben, dass Sie tief in ihrem Herzen vor Gott nicht taugen und dass Gott dies kristallklar sieht? Finden sie es vielleicht nett, die Gnade Gottes zu bekommen, wofür sie eigentlich gar nichts tun konnten, dass man im Tiefsten vollkommen abhängig ist von Gottes Gnade.

Trotzdem ist genau dies die biblische Botschaft des Alten und Neuen Testaments.
Johannes der Täufer kommt mit einer alttestamentlichen Verkündigung! Er kommt mit der finsteren Neuigkeit einer Beerdigung: du musst mit Gott wieder ins Reine kommen. So wie du bist, wirst du es nicht schaffen! Du musst versöhnt werden mit Gott.

Bekehr dich darum und vertraue auf Gottes Gnade. Wenn du das tust, wird es gewaltig sein, wenn der Messias kommt. Johannes redet bewusst vom geistlichen Elend des Menschen, um die Erlösung vorzubereiten: bekehr dich, sonst wirst du das ewige Glück und Leben nicht erlangen! Dann komm zum Herrn Jesus. Er bringt die Botschaft des Neuen Testaments, die Gute Nachricht von der Hochzeit: Ich bring euch vollkommene Versöhnung und ich komm dein Leben zu befreien von der Sünde. Jesus redet von der Freude: Freut euch, denn die Erlösung ist da!

So kommt Gott mit seiner Botschaft auf den Menschen zu. Johannes und Jesus bringen die gleiche Botschaft; gemeinsam bringen sie die Weisheit Gottes ans Licht; aber jeder von ihnen beleuchtet diese Weisheit auf seine eigene Weise. Gott gab jedem von ihnen seine eigene Aufgabe und Arbeitsweise. Und doch können beide nicht ohne einander.
Wenn nur Johannes gekommen wäre, würde man nur Angst vor Gottes Strafgericht haben, das uns eines Tages treffen würde.

Aber nun ist ja Jesus auch noch. Die Notwendigkeit einer Bekehrung, die Betonung der Sünde – dieser Akzent muss in der Verkündigung stets durchklingen – aber es ist kein Ziel an sich, wir dürfen nicht bei der Betonung von Sünde und Bekehrung stecken bleiben. Nein, diese Botschaft weist uns hin auf die eigentliche, gute Botschaft, auf das Evangelium, in dem uns die milde Hand Gottes angeboten wird mit den Worten: Komm! Komm, und mach mit im Glauben! Denn du darfst bei mir ganz neu anfangen. Jederzeit! Es gibt nicht nur Hölle, sondern dank sei Jesus auch den Himmel. Es gibt Erlösung.

Aber Jesus kann auch nicht ohne Johannes sein. Dies wäre vermessen. Gott verteilt nicht automatisch seine Vergebung aus nach dem Gießkannenprinzip. Hier ein bisschen, dort ein bisschen. Gott ist nicht der „liebe Herrgott“ so nach dem Prinzip: Leb einfach weiter wie bisher, und wenn’s dein Leben hier auf Erden abgelaufen ist, dann wird’s schon recht werden im Himmel. Nein, sagt Jesus: „Ich bringe die gute Nachricht von deiner Gerechtigkeit allen, die Dich fürchten.“

Man muss schon aufrichtig sein. Das Evangelium wird verkündet, während Gott uns die Konsequenzen sehen lässt: es gibt keinen Himmel ohne Hölle. Man kann auch ausgeschlossen werden vom Königreich Gottes.

Johannes und Jesus sind in ihrer Botschaft nicht von einander zu trennen. Glauben ist wunderbar, es gibt vollkommene Gnade; Gott ist gut. Man braucht vor ihm nicht bang zu sein. Aber der Aufruf zur Umkehr bleibt immer zu hören: „Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht“ (Apg. 2:40) – sagt Petrus am Ende seiner Pfingstpredigt.

Die gute Nachricht gilt allen Mensen: Juden, Griechen, Österreichern und Niederländern. Aber wir haben da so unsere Schwierigkeiten. Das ist auch der Grund, warum Jesus über die Pharisäer und Schriftgelehrten klagt.

„Komm“, sagt Jesus zu allen Menschen, „mach mit im Glauben!“ Aber reine große Gruppe hat keine Lust dazu. Sie bleiben sitzen und rühren sich nicht von der Stelle. Sie verwerfen Gottes Weisheit, die gute Nachricht vom Glauben. Sie fühlen sich zu gut, um gerettet werden zu müssen.

“Wisst ihr, wem dieses Geschlecht gleicht?“, sagt Jesus. Einer Gruppe Kinder, die keine Lust haben mitzuspielen, egal was die andern auch vorschlagen. Das ist nicht besonders angenehm, wenn immer die gleiche Gruppe nicht mitmachen möchte. Wenn sie immer nur herumklagen und die Stimmung verderben.

So ist es auch mit dem Glauben. Johannes und Jesus probieren ja gerade die Leute in Bewegung zu bringen. Aber kaum ohne Erfolg. Sie lassen sich auf keinerlei Weise zu Gott und zur Erlösung leiten. Auf welchem Weg es Gott – menschlich gesprochen – mit ihnen versucht, - auf dem ernsten Weg von Gerichtsandrohung und dem Aufruf zur Buße und Umkehr , so wie Johannes getan hat, oder auf dem Weg der freundlichen Einladung, indem Jesus sehen lassen hat, wer er ist und was er kann. Sowohl bei dem einen als auch bei dem anderen haben sie etwas auszusetzen und verwerfen es. Sie lassen deutlich merken, dass sie keineswegs vorhaben, an Jesus zu glauben.

Und warum? Weil sie sich zu gut einstufen für das Gericht Gottes. Sie fühlen sich nicht so verloren, dass sie die Taufe des Johannes nötig hätten. Und darum sind sie auch felsenfest davon überzeugt, dass sie Jesus nicht brauchen. Deshalb ist ihnen Jesus auch vollkommen uninteressant; ihnen entgeht völlig die Freude wegen der Güte und Gnade, die Jesus bringt.

Und wie ist das bei, lieben Brüder und Schwestern, Jungens und Mädchen?

Ich sprach einmal mit einer älteren Schwester über diesen Bibeltext. Sie sagte: „Wissen sie, Herr Pfarrer, was mich am meisten verwundert? Dass so viele Menschen, wenn sie die gewaltige Botschaft hören, dass Gott seinen Sohn in die Welt gesandt um Sünder zu retten, wenn sie an ihn glauben,… dass die meisten diese Botschaft ignorieren. Wie ist das nur möglich! Die beste Botschaft aller Zeiten wird verkündet, und die Leute sagen: Nein danke, kein Interesse, brauch ich nicht!

Dies sind schwierige Fragen. Wenn Gott sein Evangelium verkünden lässt, warum nehmen sich es sich nur so wenige zu Herzen? Wenn wir andern von Jesus erzählen, warum reagieren so viele Leute abweisend? Ist der Heilige Geist nicht mächtig genug? Hier gibt’s keine schlüssige Antwort.

Eine Sache fällt mir immer wieder auf: man findet die Botschaft der Bibel und all die Predigten über die Sünde und Verdorbenheit oftmals zu düster und erdrückend. Darum hört man oft: ach, so schlecht und verdorben bin ich ja nun auch nicht. Eigentlich geht’s doch noch mit mir und der Menschheit. Dass der Mensch „geneigt ist zu allem Bösen“ – wie es im Katechismus steht – das ist doch viel zu pessimistisch gedacht!

Nun ja, wenn man sich selbst nicht so schlecht findet, warum braucht man dann eigentlich Jesus und seine Erlösung? Dies ist, denk ich, einer der Gründe, warum viele Leute mit dem Glauben an Jesus nichts anzufangen wissen. Denn warum sollte man ganz froh sein über seine Errettung, die man eigentlich gar nicht braucht?

Trotzdem sagt Jesus zu allen Menschen – ob sie nun in der Kirche sind oder sonst mit dem Glauben in Kontakt gekommen sind: „Komm, mach mit im Glauben!“ Bleib nicht sitzen, wo du gerade bist, komm heraus und fühl dich nicht zu fein für die Vergebung deiner Sünden. Komm, und mach mit, denn ich habe dich gesehen. Ich suche gerade dich! Ich möchte dir soviel geben: eine Gemeinschaft um darin zu wohnen, und die Aussicht auf ewiges Leben. Lass dich doch einnehmen durch meinen Heiligen Geist.

Thema: “Komm”, sagt Jesus, “mach mit im Glauben!“

2) Schließ dich der Weisheit Gottes an

Warum sollten Menschen bereit sein, der Botschaft des Johannes Glauben zu schenken und Jesus zu folgen? Wenn doch so viele Leute nichts mit dem christlichen Glauben zu tun haben wollen, oder nur sehr oberflächlich und ‚leichtfertig’ damit umgehen, warum sollte man sich dann trotzdem aktiv mit dem Glauben auseinander setzen? Wie kann man wissen, dass Gott recht hat? Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern (Luk. 7:35), sagt Jesus.

Wenn auf dem Marktplatz Kinder spielen wollen und einige nicht mitmachen wollen, ist das Spiel der andern dann wertlos? Sicher nicht! Es gibt noch genug Kinder, die das Spiel sehr wohl mitspielen und ihre Freude daran haben. Sie sind froh und genießen vom Spiel.
So gibt es eben auch viele Menschen, die den Glauben an Gott verwerfen. Aber ist deswegen das, was Gott uns in der Bibel erzählt, falsch? Ist darum sein Erlösungsplan gescheitert? Sicher nicht! Dass Gott recht hat mit seiner Weisheit, um eben auf diese Art und Weise Menschen zu erretten, wird bezeugt von jenen, die den Glauben angenommen haben und aktiv mitmachen im Glauben. Dass Gott Recht hat, wird von jenen bestätigt, die sich erretten lassen.

Der Herr Jesus Christus ist der Erlöser. Dies kann man sehen an denen, die glauben. Es gibt Menschen, die den Ernst von Johannes Botschaft Glauben geschenkt haben und darum auf die Freude warten, die Jesus schenkt. Dieselben Leute dürfen darum, wenn sie die Freude von Jesus erfahren, den Ernst von Johannes nicht vergessen.

Auf diese Weise glauben heute noch immer Menschen. Ich glaube! Ich glaube, dass ich Sünder bin – dass alle Menschen Sünder sind! Aber ich glaube auch, dass es eine Erlösung gibt. Für mich – und für alle Menschen! Ja, ich glaube, dass ich erlöst BIN!
Und darum kann ich mich jetzt schon glücklich fühlen und darf ein christliches Leben führen – und alle Glaubenden mit mir.

Die breite Masse wird immer mit ihrer Kritik kommen, aber Gott holt seine Zeugen der Weisheit ans Licht. Menschen, die glauben, die gegen den Strom der Massenmeinung bezeugen, dass Gottes Weisheit recht hat. Dass sie recht hat mit dem Zorn über Sünde, und dass sie recht hat mit dem überschwänglichen Geschenk von Gottes Gnade.

Wer das glaubt, fühlt sich nicht zu gut für Jesus. Dann geht man nicht leichtfertig mit seinem Evangelium um. Sondern schließt sich an bei der Weisheit Gottes und macht mit im Glauben.

Wer bringt uns eigentlich so weit, dass wir im Glauben mitmachen? Es ist die Wirkung des Heiligen Geistes, der uns in Bewegung bringt, wenn wir Gottes Wort hören. Wenn man dann von eigener Sünde und Gottes Zorn darüber hört, also in der Art wie Johannes der Täufer predigte, dann rede dich nicht heraus, sondern beuge dich in Buße. Und wenn Jesus dann mit Worten von Vergebung und Erneuerung kommt, lass das einfach zu und nimm seine Worte in Freunde an.

Hier ist eine Bewegung im Glauben aufgezeichnet. Von dem Ernst über die Sünde und Gottes Gericht, wovon Johannes gesprochen hat und aufrief: tut Buße und bekehrt euch! – hin zu der Freude am Glauben, den Jesus bringt.

Sind so viele Gläubige ein Beweis? Es kommt darauf an, von welcher Seite aus man’s betrachtet. Es gibt immer eine mehr oder weniger glaubhafte Entschuldigung, um dem Aufruf: „Komm, mach mit im Glauben!“ nicht zu folgen. Die Pharisäer wollten auch nicht, obwohl sie mit eigenen Augen sehen konnten, welche Wunder Jesus getan hat.

Aber am Beginn unseres Bibeltextes steht: „Und alles Volk, das ihn hörte, und die Zöllner gaben Gott recht“.

Sie glaubten Gottes Verheißungen.

Sie ließen sich von Gott mitnehmen.

Sie gaben Ihm recht.

So wirkt Gott durch seinen Heiligen Geist. Er kommt zu seinem Recht. Er bringt Menschen in Bewegung. Und er hat uns bereits auf den rechten Kurs gebracht. Warum sollte man dann selber wieder an der Seite stehen bleiben.

Komm, mach mit im Glauben!

Schließ dich an bei solch einem guten Gott.

Amen.