Bezieh in deinem täglichen Umgang mit Gott deine Taufe ein

Predigttext: 1. Petrus 3,21

Das Wasser der Sintflut ist ein Vorbild der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi.

Gemeinde unseres Herrn Jesus Christus,
geliebte Brüder und Schwestern, Jungen und Mädchen!

 

Ich möchte ihnen heute Gottes Wort verkündigen aus dem Brief des Apostel Petrus unter dem Thema:

 

Bezieh in deinem täglichen Umgang mit Gott deine Taufe ein

  1. Die Taufe befreit dich von der Angst verloren zu gehen wegen deiner Sünden
     

  2. Die Taufe schenkt dir ein gutes Gewissen im Glaubenskampf

1. Die Taufe befreit dich von der Angst verloren zu gehen wegen deiner Sünden (d.h.: Christus ist für mich)

 

Es gibt ja unheimlich viele Meinungen zur Taufe. Manche sagen: erst der Glaube dann die Taufe, d.h. die Taufe ist eine Bestätigung für unseren Glauben. In diesem Zusammenhang wird als biblischer Beleg und Beweis häufig 1. Petrus 3,21 angeführt. Meine Taufe ist "ein Gebet um ein gutes Gewissen", wobei dann diese Bibelstelle als einer der entscheidenden Stützpfeiler für die Wiedertaufe oder Glaubenstaufe her halten muss. Es ist jedoch sehr die Frage, ob diese Auslegung haltbar ist. Darum will ich mit ihnen heute morgen den Text daraufhin befragen, was der Heilige Geist (aus dem Munde des Petrus) uns wirklich sagen möchte.

 

Es steht hier zunächst, dass die Taufe uns rettet vor dem Untergang und dem Verlorengehen. Über dieses Thema hat Petrus in seinem Brief ausführlich gesprochen. Nämlich, dass die Welt zur Zeit von Noah unterging. Was hat sich damals doch für ein Drama abgespielt! Aus dem Wasser der Sintflut wurden nur eine Handvoll Menschen gerettet, acht Leute um genau zu sein. Obwohl Gott damals unendlich geduldig war mit den Menschen, wollten sie sich nicht bekehren von ihren Wegen und Gott ihr Leben anvertrauen. Dann kam die Sintflut und alle Menschen ertranken. Sie starben, ohne je zum Glauben gekommen zu sein. Sie wurden "Geister im Gefängnis des Todesreiches" wie Petrus sagt.

 

Dies kann einem ganz schön Angst einjagen, wenn man dies so liest. Man könnte denken: Und was ist mit mir? So perfekt bin ich doch wirklich nicht. Bei mir gibt's doch noch eine Menge in punkto Glauben zu kritisieren.

 

Es ist wichtig fest zu halten, dass Petrus an dieser Stelle von einem "Gebet um ein gutes Gewissen Gott gegenüber" spricht. Aber eigentlich klagt mich mein Gewissen an, wie es Sonntag 23 im Heidelberger Katechismus formuliert. Mein Gewissen klagt mich an wegen meiner Sünden: mit manchen Sünden kann (und will) ich nicht brechen. Oder wegen meiner Lauheit: ich sitze hier zwar in der Kirche, aber es interessiert mich eigentlich nicht so. Oder klagt mich mein Gewissen an, weil ich so hochmütig bin: manchmal fühle ich mich wie ein Pharisäer, wenn ich mich mit anderen Gemeindeglieder und mehr noch: mit den Leuten in der Welt vergleiche.

 

Vielleicht kommt ihnen das eine oder andere Gefühl bekannt vor. Wenn sie so von ihrem Gewissen angefochten werden, dann ist es gut zu wissen, dass Petrus hier eine pastorale Aussage macht. Sicher, die Sintflut ist ein Bild für die Taufe. Noah hat durch das Wasser der Sintflut eine total verdorbene Welt hinter sich gelassen, eine Welt mit einer durch und durch verkommenen Gesellschaft und betrat eine völlig neue Welt.

 

Und die Taufe lässt genau das gleiche sehen: Jesus Christus ließ durch sein Kreuz die alte sündige Welt vollkommen hinter sich. Und durch seine Auferstehung ließ er die neue Welt des Geistes anbrechen.

 

Aber es ist nicht einfach nur ein Bild. Es ist ein Bild mit einem Kontrast. Mit einem entgegengesetzten Effekt. Denn das Wasser der Sintflut hatte in erster Linie eine verwüstende Auswirkung. Die gesamte ungläubige Welt kam ums Leben. Aber beim Wasserbad der Taufe ist es gerade umgekehrt. Die Taufe wurde von Gott eingesetzt, um der ganzen Welt deutlich zu machen, dass eine Rettung möglich ist. Jesus ist gekommen, um Millionen von Menschen zurück zu Gott zu bringen. In beiden Fällen ist es Gottes Treue, die Menschen vor dem Untergang rettet: Noah und die seinen, nämlich acht Seelen. Aber auch Sie und ich, wenn wir uns stets festklammern an unsere Taufe.

 

Denn wodurch findet unsere Rettung statt? Durch den Tod von Jesus Christus! "Um unserer Sünden willen" heißt es in Vers 18. Und wie kann ich sicher sein, dass diese Rettung auch mir gilt? Durch die Auferstehung Jesu, sagt Vers 21.

 

Dies finde ich so schön, geliebte Brüder und Schwestern: das Leiden Jesu ist der einzige Grund für unser Heil, und die Auferstehung Jesu ist der einzige Grund für ein reines Gewissen. Die Ruhe wurde in der einmal erfahrenen Taufe über mir ausgesprochen und darauf darf ich mich stets berufen. Ich saß im Gefängnis, aber Jesus hat mich daraus befreit. Auf diese Tatsache darf ich bauen und darf auch Gott daran erinnern. Aber niemals los von Christus. Diese Freiheit ist nur Realität durch die Auferstehung Jesu.

Zu Beginn sagte ich, dass einige Christen diesen Text als Untermauerung für die Erwachsenentaufe heranziehen, wenn es heißt: erst muss man ein reines Gewissen haben, dann kann man getauft werden.

 

Ich hoffe, dass sie jetzt besser verstehen können, dass es in unserem Text nicht um eine Vorbedingung, sondern um eine Auswirkung der Taufe geht. Es geht darum, wie man sich den Inhalt der Taufe persönlich zueignet. Was bedeutet die Taufe für mich, für sie? Denn irgendwann einmal sind auch sie getauft worden. Vor einigen oder vor vielen Jahren standen ihre Eltern mit ihnen am Taufbecken. Vielleicht fragen sie sich manchmal: was bringt mir eigentlich meine Taufe, was hab ich heute ganz persönlich davon, dass ich als Kind getauft wurde?

 

Petrus fordert uns auf jeden Fall auf, uns stets mit der Bedeutung, dem Wert der Taufe auseinander zu setzen. Durch die Taufe, sagt Petrus, erlange ich die Freimütigkeit, um mit einem reinen Gewissen vor Gott treten zu können. Dies ist der erste Punkt: die Taufe befreit uns vor der Angst verloren zu gehen wegen unserer Sünden. Brüder und Schwestern, beziehe auf diese Art und Weise deine Taufe ein in deinen täglichen Umgang mit Gott. Verstehe, was die Taufe bedeutet: Jesus Christus ist für mich, und nicht mehr gegen mich! Darum will er auch in uns wohnen und uns helfen, den täglichen Kampf des Glaubens zu wagen.

 

Unser Thema lautet: Bezieh deine Taufe ein in deinen täglichen Umgang mit Gott.

 

Der zweite Aspekt, den wir jetzt beleuchten wollen, heißt:

 

2. Die Taufe gibt dir ein gutes Gewissen im Glaubenskampf (d.h.: Christus in mir)

 

Wenn man ein reines Gewisses hat, braucht man nichts zu fürchten. Ich will hierzu ein konkretes Beispiel aus meinem Leben nennen. Ich wurde nämlich einmal von der Polizei festgenommen. Sie dachten, dass ich etwas aus Supermarkt gestohlen hatte. Ich war damals ungefähr 18 Jahre und es gab beim Ausgang noch keine Diebstahlsicherung. Als ich das Geschäft verlassen hatte, folgte mir ein Sicherheitsbeamter in die Fußgängerzone, und sagte: "Bitte kommen Sie mit und geben Sie die Löffel zurück, die sie gerade gestohlen haben." Aber ich hatte nichts verbrochen und war mir keiner Schuld bewusst. Darum fragte ich: "Welche Löffel meinen sie?" "Ja die in ihrer Hand." Daraufhin begann ich zu lachen, denn in jener Zeit (und auch manchmal heute noch) lief ich mit einem Schlüsselbund in meiner Hand herum. Der Sicherheitsbeamte hatte jedoch den Schlüsselbund für Löffel gehalten. Nun gut, weil ich wusste, dass ich nichts gestohlen hatte, hatte ich auch keine Angst.

 

Aber wie ist das nun mit dem Glauben? Brauch ich dann auch nicht mehr Angst vor Gott zu haben? Nein, eigentlich nicht. Aber wie ist das? Haben sie nie das Gefühl, dass sie zu wenig für Gott tun? Dass die Beziehung zu Gott oft so mittelmäßig und lau ist? Ich denke, ehrlich gesagt, dass sich viel Christen mit solchen Fragen quälen. In dem Sinne von: man ist gläubig, man will tun, was Jesus getan hat, nämlich "Christus heiligen in seinem Herzen als Herr", wie Petrus in Vers 15 sagt. Man will gerne in Wort und Tat bezeugen, dass Jesus unser Herr ist, aber man merkt dann bei sich selber, wie oft man vergisst, das Gute zu tun, und das Böse zu lassen. Aus verschiedensten Gründen: zum Beispiel aus Lauheit oder Scham oder schlichtweg Faulheit. Dann ist es leicht verständlich, dass man verzagt oder sogar deprimiert sein eigenes 'Christ sein' beurteilt: Man wagt kaum, sich Christ zu nennen. Wie ist es dann überhaupt noch möglich, mit einem freien und guten Gewissen in diesem Leben gegen Sünde und Teufel zu fechten? Vor allem wenn die Zeiten schwierig sind, wie damals als Petrus seinen Brief schrieb. Dann kann der Glaube ganz schön hart auf die Probe gestellt werden. Anfechtungen können dann schnell zur Glaubenskrise werden, so dass man fragt: Ist meiner Glaube wirklich wahr, ist das Heil wirklich für mich?

 

Brüder und Schwestern, wenn sie so im Glauben angefochten werden, dann ist es gut, wenn sie an ihre Taufe denken. Was heißt das konkret?
Zunächst einmal sagt Petrus nicht, dass die Taufe das Ablegen der körperlichen Unreinheit sei.
Die meisten Ausleger sind sich darüber einig, dass Petrus hier nicht sagen will, dass das Taufwasser als solches die Sünden reinigt. Eine solche Frage findet sich auch im Heidelberger Katechismus (Frage 72): Ist denn das äußerliche Wasserbad das Abwaschen der Sünden selbst? Antwort: Nein, denn allein das Blut Jesu Christi und der Heilige Geist reinigen uns von allen Sünden. Hierbei verweist der Katechismus auch auf 1. Petrus 3:21. Wenn also jemand denkt, dass die Taufe selbst Sünden abwäscht, dann gründet dies auf einer verkehrten Vorstellung von der Taufe. Eigentlich meint Petrus doch etwas ganz anderes. In der Lutherübersetzung steht: "In der Taufe wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen". Im Griechischen gibt es zwei Worte die mit "Leib" übersetzt werden können. Das eine heißt "sarx" und wird oft mit Fleisch übersetzt, das andere heißt "soma" - und dann liest man oft 'Leib'.

 

Während "sarx" (Fleisch) im Neuen Testament einen negativen Klang besitzt, ist "soma" (Leib) ein relativ positiver Begriff für Leib. Warum hat "sarx" einen so negativen Ruf? Was ist denn so schlecht an unserem "Fleisch"?

 

Hier sind zwei Punkte zu nennen:

 

Unser Leib ist

  1. sterblich und

  2. sündig.

Wenn Paulus oder Petrus einen dieser beiden Aspekte von unserem Leib vor Augen haben, dann gebrauchen sie immer das Wort "sarx". So auch in unserer Stelle hier. Durch die Taufe, so schreibt Petrus, wird nicht der Schmutz vom (sündigen) Leib abgewaschen.
Was meint Petrus damit? Ich denke folgendes: wenn man als Christ getauft ist, muss man nicht meinen, dass man fortan keine Sünde mehr tut. Im Gegenteil. Als Mensch steht man immer in der Gefahr, von der Sünde angesteckt zu werden. Auch als Christ ist man empfänglich für diese Beeinflussung. Auch die Taufe ändert nichts an diesem Sachverhalt.

 

Wenn dies nun so ist, wie kann man dann ein gutes Gewissen erlangen?

 

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Taufe kein Beweisstück für deine Gläubigkeit ist, sondern "eine Bitte um ein gutes Gewissen Gott gegenüber" (3:21). Man darf sich auf seine Taufe berufen, um ein gutes Gewissen vor Gott zu erlangen.

 

Petrus redet von dem, was sich in der Gegenwart abspielt, vom Hier und Jetzt: "die Taufe, die jetzt auch euch rettet" (3:21). Wenn du an deine Taufe denkst, wirst du jetzt gerettet von deinen Sünden, die du heute (schon wieder) getan hast. Du brauchst keine Strafe zu fürchten. Deine Rettung ist jetzt Wirklichkeit. Wie geschieht dies? Jedes Mal, wenn du im Glauben zurückfällst auf den Tod und die Auferstehung Jesu. Er hat das sichere Fundament gelegt: Er ist für unsere Sünden gestorben. Er wäscht den Schmutz von unserer Seele weg. Die Taufe in seinem Namen unterreicht diese Heilswirklichkeit. Im Glauben darf (und muss) man Gott immer wieder an diese Wirklichkeit erinnern und sich darauf berufen. Wer seine Taufe im Glauben sich zu Eigen gemacht hat, darf versichert sein, dass Jesus auch an ihn gedacht hat, als er für die Sünden der ganzen Welt starb. Er darf aber auch versichert sein, dass Jesus ihn mit der Kraft der Auferstehung erfüllen möchte.

 

Kurz gesagt: unter Berufung auf seine Taufe darf man stets zu Gott kommen, um Vergebung seiner Sünden zu erbitten und um Glaubenskraft, die der auferstandene Herr auch heute noch schenkt. Aufgrund deiner Taufe darfst du Gott immer wieder danken für den Frieden im Herzen und die Glaubensgewissheit, die Er schenkt.

 

Natürlich bietet die Taufe als symbolhaftes Zeichen nicht automatisch den Frieden und die Gewissheit. Aber die Taufe, die an ihnen vollzogen wurde, sagt allen, wie sehr Gott sie liebt. In der Taufe sagt Jesus ihnen: du bist nicht länger ein Problem für Gott, sondern Gott hat ein volles Ja zu dir, du bist jetzt vollkommen akzeptiert. Der am Kreuz Verworfene macht dich zum Angenommenen. Dies ist ein einzigartiges Fundament für ein angefochtenes Glaubensleben. Ein Zeichen, das ein Leben lang vor Augen steht.

 

Aufgrund deiner Taufe darfst du jeden Tag aufs Neue fragen: Herr Jesus, du bist für mich, willst du auch dein Werk in mir verrichten? Dann kann man durchhalten, den Glauben in Wort und Tat zu bezeugen. Und vergessen sie dabei nicht das Wichtigste: "Heiligt Christus in euren Herzen als Herren." Jesus hat viel gelitten und war bereit als Unschuldiger für Schuldige zu sterben. Warum? Um sie vor Gott bringen zu können. Er litt auch für sie, ganz persönlich. Für einen jeden, ob jung oder alt, und auch für mich, so wie ich hier stehe. Dies ist der Kern des Glaubens, das dürfen wir nie vergessen: Christus als Herren zu heiligen in unserem Herzen. Dass man stets aufs Neue tief davon durchdrungen wird und man (wieder) froh wird am Glauben, dass Jesus uns in die Gemeinschaft mit Gott bringt. Dich und mich.

 

Ich will enden mit einer Geschichte aus dem Leben von Martin Luther. Luther war ein echter Gefühlsmensch. Oft fiel er in ein tiefes Loch, wo er vom Teufel derart angefochten wurde, dass er massive Glaubenszweifel bekam. Aber wissen Sie, was Luther ein Mal tat? Er nahm eine Kreide und schrieb damit auf den Holztisch: "Ich bin getauft!" Dies ist ein wahres Gebet um ein gutes Gewissen vor Gott. Nicht aufgrund eigener Glaubensstärke, sondern unter Berufung auf Gottes Treue in der Taufe: "Herr, lass mich nicht los! Du hast mich teuer erkauft, dass ich dir gehöre. Mach dein Versprechen wahr in meinem Leben!"

 

AMEN