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Ohne diese „Wiedergeburt“ kann niemand in das Reich Gottes kommen, sagt Jesus
Christus, sie ist heilsnotwendig (Joh 3,3–8).Der Heilige Geist selbst erneuert
den gefallenen, natürlichen Menschen, so dass dieser sich im Glauben Jesus
Christus und seiner Botschaft öffnet, um ihm von Herzen zu dienen.
Man kann die Wiedergeburt aus der subjektiven Sichtweise, der menschlichen
Erfahrung, und aus der objektiven, dem Handeln Gottes an uns, beschreiben: a)
Die Perspektive der menschlichen Erfahrung beschreibt das Ereignis der
Wiedergeburt als Resultat des Glaubens. Der Getaufte orientiert sich dabei nicht
an bestimmten Gefühlen oder geistlichen Erfahrungen, sondern an den Verheißungen
des Evangeliums, das untrennbar mit dem Aufruf zum Glauben verbunden ist (Röm
10,9–10 Hbr 11,1–2.6).Das veränderte Verhalten des Christen, seine wachsende
Treue zum Wort Gottes und die offenkundige Bereitschaft, Christus aus Liebe zu
gehorchen, lässt dann zurecht auf die vom Heiligen Geist bewirkte Wiedergeburt
rückschließen. b) Aus der Perspektive des Handelns Gottes jedoch ist der Glaube
das Resultat der Wiedergeburt, da der Heilige Geist den Menschen zum
Glaubenbefähigt, ihm also das Vertrauen gegenüber dem Wort Gottes „von oben
her“, mit seiner Kraft, erweckt (Joh 14, 16–17 Eph 1,3und 3,16) und ihm dadurch
Vergebung und Heiligung als reine Gnadengabe von Christus zueignet (Eph 1,13–14
1. Ptr 1,23). Die daraus erwachsende Heilsgewißheit (Röm 5,1–2 1. Joh 5,13)
gründet sich dann nicht im Nachweis „eigener Werke“, als ob ein Mensch durch den
Versuch gerecht zu handeln vor dem Jüngsten Gericht bestehen könnte, sondern
stützt sich – für den in allem sündigen Menschen – ganz und gar auf die
unverdiente Gnade in Christus (Röm 3,22–24.28 4,5 Gal 2,16). So ist auch der
Glaube nicht aus der Fähigkeit des Menschen entsprungen, sondern Gottes eigenes
Werk (Eph 2,8-10). Der von Gottwiedergeborene Mensch wird seinen Blick deshalb
nie von der Gnade, von Christus allein, abwenden und sich in Zeiten der Krise
immer wieder neu an ihm allein ausrichten (Hbr 12,1–2), eben weil sein Heil von
Gott beschlossen, in ihm begründet, von ihm selbst zugeeignet und für Zeit und
Ewigkeit unverlierbar ist (siehe Westminster Bekenntnis, Artikel 10.1–3).
Die heilige Schrift bezeugt auch kein bestimmtes Schema für den Ablauf der
Wiedergeburt, insbesondere nicht hinsichtlich des Zeitpunkts, wann Gott dieses
heilsnotwendige geistliche Geheimnis in einem Menschen wirksam werden lässt. Der
Heilige Geist lässt sich nicht vorschreiben, nach welchem Zeitplan oder
methodischen Konzept er einen Menschen zu sich ziehen soll. Ebenso verwirft Gott
die Vorstellung, dass die Wiedergeburt auf sakramentale Weise durch den
Taufvollzug übermittelt werden könnte, so als ob Gott sich im Kernpunkt der
Heilszueignung von kirchlichen Ritualen abhängig machen wollte. Der Heilige
Geist weht vielmehr uneingeschränkt souverän „wann und wo ER will“ und entzieht
sich prinzipiell dem menschlichen Zugriff.
Die Hinwendung zu Christus, die der Heilige Geist bewirkt, kann zu einem
bestimmten Zeitpunkt stattfinden oder sich über einen längeren Zeitraum
erstrecken. Deshalb ist es schwer nachvollziehbar, wann sich Wiedergeburt genau
ereignet hat. Im weiteren kann nicht jede entschiedene Umkehr zu Christus mit
der heilsentscheidenden Wiedergeburt gleichgesetzt werden, weil der Betroffene
etwa schon längst Eigentum von Christus ist. Bei den einen Kindern und
Jugendlichen, die im Gnadenbund Gottes aufwachsen, kann der Lebensweg ohne
krisenhaften Umbruch in der Kontinuität des Glaubens geborgen sein. Bei anderen
können aber auch massive Zweifel, innere Kämpfe, Phasen der Gleichgültigkeit und
Entfremdung von Gott den Glauben erschüttern, obwohl das Kind – trotz aller
Krisen – aus der Wiedergeburt durch den Heiligen Geist lebt, ohne dass sich
Gottes heiligende Zuwendung zeitlich festlegen ließe (ähnlich wie bei Johannes
dem Täufer, der bereits im Mutterleib vom Heiligen Geist erfüllt war; Luk
1.15.44.66.80). Unabhängig davon, wie ein Christ das Phänomen der Wiedergeburt
durch den Heiligen Geist erfährt, bleibt das eine heilsentscheidend: jeder, der
sich als Christ versteht, muss in seinem Leben wirkliche Umkehr und Erneuerung
erleben. Es stellt sich daher nicht die Frage, wie und wann Gott an uns handelt,
sondern dass es es tut und im Sinn von Frage 21 des Heidelberger Katechismus
„wahrer Glaube“ in unserem Leben bekenntnishaft zu erkennen sein muss (siehe
auch Westminster Bekenntnis, Artikel 14.1–3 und 15,1–3).