9. Welche Bekenntnisse?
Wenn diese Frage geklärt ist, wie wir das Bekenntnis verstehen, dann stellt sich die Frage, welches wollen wir denn nehmen?
Die Ausgabe christlicher Bekenntnisschriften von Philip Schaff umfasst drei
Bände, die von E. F. K Müller zwei.
Ich bin hier relativ pragmatisch und sage: im Grunde ist das relativ egal.
Natürlich muss man die grundsätzliche Familie der Bekenntnisse recht schnell
klären. D.h. ob man römisch-katholisch oder Lutheraner oder reformiert oder
beispielsweise baptistisch ist. Das schränkt die Sache natürlich schon ein.
Innerhalb dieser Familien jedoch herrscht im Großen und Ganzen eine solche
Homogenität, dass ich sage, es macht keinen wesentlichen Unterschied, wo man
sich einklinkt.
Für die Reformierten: ob der Heidelberger Katechismus, das 2. Helvetische Bekenntnis (beide aus dem
16. Jh), das Niederländische oder Westminster Bekenntnis (17. Jh.), kein wesentlicher
Unterschied. Generell würde ich mich von den ältesten zu den neusten
Bekenntnissen vorarbeiten. Ich würde also mit den so genannten ökumenischen
beginnen (dem Apostolikum, dem Nicäno-Konstantinopolitanischen., dem
Chalcedonense, etc.) dann in die Reformation und Orthodoxie vordringen.
Letztlich muss man sagen, dass die großen Bekenntnisse aus der Hochzeit des
Konfessionalismus (z.B. WB, Helvetica) alle den Stand der ökumenischen mit
aufnehmen:
Beispiel: Das 2. Helvetische Bekenntnis über die Person Christi (Kap. 11):
„Kurz gesagt: wir glauben mit aufrichtigem Herzen und bekennen frei und offen
mit dem Munde, was in den Bekenntnissen der vier ersten und bedeutendsten
Kirchensynoden von Nicäa, Konstantinopel, Ephesus und Chalcedon, sowie im
Bekenntnis des seligen Athanasius und allen ähnlichen Bekenntnissen über das
Geheimnis der Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus nach der Heiligen
Schrift festgestellt und enthalten ist, verwerfen dagegen alles, was diesen
widerspricht. Auf diese Weise halten wir den unversehrten und reinen,
rechtmäßigen und allgemeinen christlichen Glauben fest, weil wir wissen, dass in
den genannten Bekenntnissen nichts enthalten ist, was dem Worte Gottes nicht
entspräche oder nicht zur reinen Darlegung des Glaubens genügte.“
So, das war mein biblisches, historisches, aber auch hoffentlich etwas
praktisches Plädoyer für ein bekennendes Christsein und eine bekennende Kirche.
Ich bin davon überzeugt, so können die Bekenntnisse zur grundsätzlich zwar
hinterfragbaren, aber verbindlichen Grundlage der Gemeindearbeit und der Einheit
des Leibes Christ werden.
Auf dieser Grundlage können Pastoren und Älteste eingesetzt und ordiniert
werden. An dieser Grundlage, an diesem Bekenntnisstand können ihre Predigten
gemessen werden. An diesem Bekenntnisstand kann die Entwicklung einer ganzen
Kirche (liberal, etc.) gemessen und beurteilt werden. Die Bekenntnisse geben
unseren Kirchen aber auch ein Profil nach außen. Wir haben nun einige Jahrzehnte
hinter uns, in denen die Kirche verlernt hat zu sagen, was sie wirklich glaubt.
Die Leute wollen wieder Klartext reden mit den Kirchen! Sie wollen wissen, woran
sie sind, bevor sie ihren Fuß in unsere Kirchen setzen oder Mitglied werden. Und
schließlich sind die Bekenntnisse (und die zugehörigen Katechismen) auch für die
Katechese (Glaubenslehre) unserer Kinder aber auch Erwachsener unglaublich
wichtig!
Nicht jeder Christ muss den christlichen Glauben neu erfinden! Wir dürfen uns
einklinken in das allgemeine, christliche, katholische Glaubensgut – in den
Glauben, „der [Judas 3] ein für alle Mal den Heiligen überliefert ist“. Das ist
wunderbar!