4. Die biblische Begründung
Hier sind zwei Herangehensweisen
vorstellbar:
1. Wir können uns die Frage stellen: gibt es Bekenntnisse in der Bibel selbst?
Beispiele davon, wie die Gemeinde Jesu ihren Glauben bekennt?
2. Wir können fragen: wird uns in der Bibel aufgetragen, unseren Glauben zu
bekennen; Bekenntnisse zu
formulieren?
Bekenntnisse in der Bibel selbst
Natürlich brauchen wir hier nicht lange zu suchen. Es gibt viele Beispiele, wo
in der Schrift Menschen ihren Glauben bekennen (inhaltlich genau umrissene
theologische Aussagen)
Um nur eine Stelle aus dem AT herauszugreifen:
Im dem so genannten Shema Israel aus Deut 6,4 ist dem Volk Israel aufgetragen,
zu bekennen: „Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.“ Das ist
eine klare Aussage, ein klares Bekenntnis für ein Volk, das inmitten von Völkern
lebt, die an viele verschiedene „Götter“ glauben. Israel hat einen Gott und
damit ein monotheistisches Bekenntnis.
Ein berühmtes Bekenntnis aus dem NT stammt aus dem Mund von Petrus:
In Mt 16 fragt Jesus seine Jünger, für wen sie ihn halten. Er lädt sie also ein,
mehr zu sagen als nur: Jesus wir lieben dich und folgen dir nach! Er möchte
einen Inhalt. Er möchte genauer wissen, für wen sie ihn halten. Und da antwortet
ihm Petrus (V.16): „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Zu
diesem Bekenntnis sagt Jesus dann, dass ihm das nicht sein eigenes Fleisch und
Blut geoffenbart hat, sondern der Vater im Himmel! Und dann sagt Jesus: „Und ich
sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde
bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“
Und hier läuft die röm.-kath. Kirche natürlich falsch, wenn sie darin eine
Begründung für das Papsttum sieht, das ja auf der Person des Petrus aufgebaut
ist. Denn Jesus sagt und meint nicht, dass auf diesem Petrus die Gemeinde Jesu
gebaut wird, sondern auf dessen Worte, auf dessen Bekenntnis zu Jesus Christus
als dem Sohn des lebendigen Gottes!
Aber selbst wenn wir keine Beispiele von Bekenntnissen in der Bibel hätten, wenn
die Schrift uns vorschreibt, dass wir bekennende Christen sein sollen, dann muss
das ja reichen. Und so ist es auch.
Jesus selbst spricht an einigen Stellen sehr deutlich davon, was es bedeutet,
ihm nachzufolgen: ein Schlüsselwort: BEKENNEN!
„Jeder, der mich bekennt vor den Menschen, den will auch ich bekennen vor meinem
himmlischen Vater.“
Sicher, Jesus meint an diesen Stellen (Mt 10, Lk 12 etc.) in erster Linie
bekennen als Gegensatz zu leugnen. Aber was bedeutet es denn, sich zu Jesus
bekennen: es bedeutet nicht, dass man ein guter und loyaler Kumpel von Jesus
ist. Nein, es bedeutet, dass man Jesus als den annimmt, der er in Wirklichkeit
ist: Gottes Sohn – wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Sich zu Jesus zu
bekennen ist also immer auch eine zutiefst theologische Angelegenheit!
An Jesus zu glauben bedeutet immer auch, dass man bestimmte Dinge über Jesus
glaubt! Die Beziehung zu Jesus wird immer angetrieben durch bestimmte
Wahrheiten, die man geglaubt und erkannt hat – durch Gottes Gnade und
Offenbarung.
Bei Paulus ist das nicht anders. Paulus ist als Jesusnachfolger auch immer der
Theologe Paulus. Im Römerbrief, Kapitel 10 lesen wir:
„Wenn du mit deinem Munde Jesus als den Herrn bekennst und in deinem Herzen
glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet; denn
mit dem Herzen glaubt man, um gerecht, und mit dem Munde bekennt man, um
gerettet zu werden…“ (Röm 10,9-10)
Das griechische Wörtchen, das Paulus hier verwendet – „homologeo“ – wird später
dann im Lateinischen übersetzt mit „confessio“. Und daher haben wir natürlich
die Konfessionen, die Bekenntnisse.
Paulus nennt also hier zwei Dinge, die zum Christsein wesentlich dazu gehören:
erstens, dass man mit dem Munde etwas bekennt und zweitens, dass man im Herzen
etwas glaubt. Wenn beides zusammen kommt, dann wird man gerettet.
Man wird weder gerettet durch einen inhaltslosen Glauben, einen puren
Herzenszustand, noch durch ein rein formales Bekenntnis zu irgendwelchen
Wahrheiten („Lippenbekenntnis“). Beides muss zusammen kommen. Wir bekennen mit
dem Mund was wir im Herzen glauben.
Folglich könnte man sagen, ein nicht bekennender Christ ist eine Anomalie, wenn
überhaupt. Paulus ist also ganz gewiss kein Pietist der sagt: der Glaube spielt
sich allein im Herzen ab zwischen mir und meinem persönlichen Heiland! Nein,
glauben und bekennen, Herz und Mund gehen Hand in Hand.
So kann Paulus seinen Sohn im Glauben, Timotheus auch ermahnen:
„Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, zu welchem du
berufen bist und worüber du das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen abgelegt hast“
(1. Tim 6,12). Im 1. Johannesbrief 4,15 lesen wir: „Wer nun bekennt, dass Jesus
der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er in Gott.“ (nicht nur „bekennen
zu…“) Und schließlich im Hebräerbrief diese berühmte Stelle 4,14: „Da wir nun
einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den
Sohn Gottes, so lasset uns festhalten an dem Bekenntnis!“ Und dann folgt theologische
Aussage über theologische Aussage über diesen Jesus, wer er ist und wie er ist.
Biblisch ist der Fall also glasklar: Christen sind immer bekennende Christen.
Charles Spurgeon hat einmal gesagt: Niemand kann sagen „Ich glaube an die
Bibel!“ wenn er nicht auch sagen kann, was er glaubt, dass die Bibel lehrt.