2. Zu den kirchlichen Faktoren
Die Groß- und
Landeskirchen haben sich im Zuge des Liberalismus u.a. im 19. und 20.
Jahrhundert von allem Möglichen befreit – unter anderem auch von dem Anspruch
biblisch zu sein - auch von der so empfundenen Einengung der Bekenntnisse. Auf
dem Papier stehen die Bekenntnisse zwar noch, aber in der Praxis haben sie
praktisch keine Relevanz mehr. Sie werden nicht gefüllt und gelebt (so genannte
tote Orthodoxie).
Aber auch auf eher freikirchlicher Seite sieht das nicht viel anders aus:
Die Freikirchen betonen gerne, dass sie „frei“ sind. Das heißt, man will gerade
nicht „Kirche“ sein. Freikirchen leben oft in bewusster Abwehrhaltung gegen die
Großkirchen. Das ist ein Stück weit ihre Existenzberechtigung. Alles, was nach
„kirchlich“ schmeckt wird abgelehnt. Und das sind eben solche Dinge wie Liturgie
und Bekenntnisse. Das ist alles zu festgelegt und zu kirchlich (tote Orthodoxie
ist hier kein Problem, eher lebendige Heterodoxie!)
Ein Beispiel: In unserem Bibelkreis zum Heidelberger Katechismus kam eine Frau
zum ersten Mal und als sie hörte, dass wir einen Katechismus besprechen, sagte
sie: „Heidelberger Katechismus – ich wusste gar nicht, dass wir katholisch sind
!? “